FSO Polonez
Club Deutschland

04,1979

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Der Deutsche Straßenverkehr 4/1979


Neben der viertürigen Variante soll es später auch eine zweitürige Ausführung geben, bei der ein größeres Dreieckfenster die geschwärzte Blende am hinteren Dachträger verdrängt. Mehr Glas und breite Türen also . . .

Die polnische Agentur Interpress ermöglichte uns kürzlich ein erstes, wenn auch kurzes Rendezvous mit dem Polonez. Wir hatten Gelegenheit, in der Umgebung Berlins einige Stunden Bekanntschaft mit einem Werkswagen von FSO Warschau zu schließen und dabei "WT3000", eine rote viertürige Limousine, zu fotografieren. Von seinem äußeren Konturen vermitteln die Farbfotos ein Bild. Und wie präsentiert sich der Neue beim Fahrer ?

Der erste Eindruck

Wer - so wie wir - unmittelbar von einem Polski Fiat 125p in den Polonez umsteigt, wird dem FSO-Neuling spontan Sportlichkeit bescheinigen. Sitzposition, in der Höhe verstellbares Lenkrad, abgeschrägte Mittelkonsole und direkt aus dem Getriebe kommender, stark geneigter Schalthebel verdrängen beim Fahrer zusammen mit dem Blick durch die sehr schräggestellte Frontscheibe den Eindruck, in einer biederen Limousine zu sitzen. Es geht sportlich zu im Polonez  - aber komfortabel. Verwirrend ist für den, der erstmalig und nur kurz Kontakt mit dem Cockpit des Wagens hat, die Instrumentierung. Die in viele kleine quadratische Fekder eingeteilte, zwar betont symmetrisch, aber eben zu einheitlich gestalteten Ziffernblätter samt filigranen Zeigern erschweren den Überblick. Nach 100 km Fahrt hatten wir jedoch alles einigermaßen im Auge.

Tuchfühlung

Die mit velourartigem Stoff bezogenen, dickgepolsterten Sitze sorgen für behagliches Sitzen, gaben aber auch Halt. Kunstlederbezogene Kopfstützen ergänzen die Sicherheitsrollgurte sinnvoll. Vorn ist ausreichend Platz, Fondpassagieren fehlt es etwas an Kniefreiheit. An die hoge Lehne der ebenfalls sesselartigen Rückbank schließt nach hinten eine (hochklappbare) Hutablage an. Sie ist Sichtblende für den Gepäckraum, prägt aber auch die Aufgeräumtheit des innenraums mit. Daß wir keine umsteiger Probleme mit dem Polonez hatten, war beim hohen Grad der identität der Fahrwerke beider FSO Pkw wohl nicht anders zu erwarten. Das einzig Ungewohnte: Wir sahen das Ende des Wagens beim Rückwärtsfahren nicht. Auch die blattgefederte starre Hinterachse des Polonez mahnt mit leichten Seitwärtsbewegungen bei unebener Fahrbahn in schnell durchfahrenen Kurven (vor allem bei Nässe) zur Vorsicht. Ähnlich reagiert sie bei starker Beschleunigung, wenn die Fahrbahn wellig ist. Uns schien, als verführe der sportliche Polonez mehr als der Polski Fiat, in solche Grenzbereiche zu kommen. Die Federung ist ein wenig straffer.

Untypisches

Der Motor des FSO Testwagens Nr. 60 hatte unüberhörbar mehrere Beschwerden, die auf allerhang Teststrapazen schließen ließe. Laufruhe und Leistungsstärke waren wohl schon auf der (Test-)Strecke geblieben. Wie gut ein 1500er Motor derzeitiger FSO Generation laufen kann, hatte ja grade erst unser Polski Fiat Testwagen bewiesen (Testbericht in Heft 2/79). Vielleicht gibt uns ein weiteres Rendezvous Grund, uns auch für den Motor des Polonez zu erwärmen . . .
Wolfram Riedel



72 kg Kunststoff werden für einen Polonez verwendet. Beim Polski Fiat 125p sind es nur 30 kg. Anteil am erheblichen Kunststoffeinsatz haben vor allem die diecken Plaststoßstangen an Bug und Heck, die den Wagen bei Aufprallgeschwindigkeiten bis 5 km/h vor Schaden bewahren.


Von zwei Gasdruckdämpfern wird die Heckklappe gehalten. Die Hutablage hebt es beim Öffnen der Klappe mit an (Gummischnüre). Die hohe Heckbordwand ist fürs Einladen schwerer Koffer weniger günstig.


Die Visitenkarte weist den Polonez vorerst als 1,3- bzw. 1,5-l Wagen aus. Neue Motoren mit obenliegender Nockenwelle - derzeitig im Versuch - sollen im Hubraum auf 1600, 1800 und 2000 cm³ aufgestockt werden.


Einen gediegenen Eindruck hinterlassen auch die Türinnenverkleidungen und Armlehnen. Die Seitenscheiben sind gewölbt.


Links neben der Lenksäule ist der Hebel zu sehen, mit dem die individuelle wählbare, stufenlose Neigung der Säule bzw. des Lenkrades fixiert wird. In die breite, unter einem großen Blendschutz liegende Instrumententafel ist auch eine Quarzuhr eingezogen.


Viel wird getan, um die Triebwerkgeräusche weitgehend vom innenraun fernzuhalten. Wesentliche Beiträge dazu sind die Schallschluckmatte an der Haube, der Nockenwellenantrieb über einen kurzen Zahnriemen der Elektrolüfter am Kühler.


Die Kopfstützen an den Vordersitzlehnen sind keine "Schlummerrollen". Sie stützen aber den Kopf (und damit die Halswirbel) bei einem eventuellen Auffahrunfall, vor allem bei einem Stoß von hinten.